Welche Versicherungen brauchst du?

 
Photo by  Ian Wagg  on  Unsplash

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Wir werden häufig gefragt, welche Versicherungen notwendig sind. Die Antwort: Es kommt darauf an. Gewisser Versicherungsschutz ist unabdingbar, anderer optional.

 

Welche Versicherungen hat der typische deutsche Bürger?

Laut Statista sind die beliebtesten Versicherungen die Krankenversicherung, Hausratversicherung, Haftplichtversicherung, gefolgt von der Kfz- Haftpflicht. Mehr als 50% aller Haushalte in Deutschland haben diese Versicherungen.

 

Deine Liste von Versicherungen - nach Relevanz sortiert

1 - Notwendig oder gesetzlich vorgeschrieben: Hierzu gehören Versicherungen, die gesetzlich vorgeschrieben sind sowie Versicherungsschutz, ohne den du im Schadensfall ganz schön doof da stehst. Diese Liste umfasst folgende gesetzliche vorgeschriebene Leistungen:

  • Krankenversicherungen: obligatorisch (egal ob gesetzlich oder privat)

  • Kfz Haftpflicht: für Kraftfahrzeughalter

  • Berufshaftpflicht: für gewisse Berufe wie Anwälte, Notare, Architekten etc.

  • Tierhalterhaftpflicht: für Hundehalter; in manchen Bundesländern gilt dies auch für Pferdehalter

Empfohlen wird:

  • Haftpflicht: Die Haftpflicht versichert bei selbstverschuldeten Schäden. Jährlich legst du für eine solche Versicherung 50-80 EUR auf den Tisch, im Schadensfall aber fallen ggf. Millionen an, wenn du nicht versichert bist (z.B. Verletzungen etc.).

2 - Legen wir Dir ans Herz: Zu dieser Kategorie gehören Versicherungen, ohne deren Schutz Deine finanzielle Existenz bedroht sein könnte. Sie umfassen:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): wenn du von deinem Erwerbseinkommen lebst oder deine Familie davon ernährst, solltest du eine haben, denn wenn du nicht mehr arbeiten kannst, greift sie. Wichtig zu wissen: je älter du bei Versicherungsbeginn bist, desto teurer werden BUs und schwieriger abzuschliessen.

  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Wenn du aus Kostengründen oder deiner Risikoklasse (Beispiel Stuntfrau) keinen Berufsunfähigkeitsschutz erhältst.

  • Kinderinvaliditätsversicherung: relevant für Eltern. Falls dein Kind schwerbehindert werden sollte durch eine Krankheit oder einen Unfall (Invalidität mehr als 50%), stellt diese sicher, dass ausreichend Geld vorhanden ist in Form einer lebenslangen monatlichen Rente.

  • Risikolebensversicherung: das ist eine sogenannte Individualversicherung, die bei deinem Todesfall deinen Lieben eine vertraglich festgelegte Summe ausschüttet.

  • Wohngebäudeversicherung / Immobilienversicherung: eine Sachversicherung für Immobilienbesitzer

 

 3 - Sinnvoll: Bei diesen Versicherungen würden wir sagen, das die Kosten im Schadensfall auf dich zukommen, diese aber im Regelfall anders als ein abgebranntes Zuhause nicht sofort deine finanzielle Existenz bedrohen:

  • Hausratversicherung - Sichert Brand, Überschwemmung, Diebstahl ab. Sinnvoll, wenn du Wertgegenstände besitzt, wie etwa teure Möbel.

  • Rechtsschutzversicherung - Berufsrechtsschutz, Wohnrechtsschutz oder Verkehrsrechtsschutz macht Sinn, solltest du viel und schnell Auto fahren (Verkehrsrecht), einen schwierigen Vermieter haben, Mitglied einer schwierigen Eigentümergemeinschaft sein (Miet- und Wohneigentumsrecht) oder in einer Branche mit einem höheren Kündigungsrisiko tätig sein (Arbeitsschutz). Allerdings bieten Gewerkschaften (Arbeitsrecht) oder Vereine (Mietrecht) für spezielle Probleme oft preiswerteren Rechtsschutz an.

  • Kinderunfallversicherung: Nur sinnvoll bei Kindern und Jugendlichen, die  keine Kinderinvaliditätsversicherung haben.

  • Unfallversicherung: Sinnvoll wenn du weder eine Berufsunfähigkeitsversicherung noch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung hast. Häufig bist du aber schon durch den Arbeitgeber abgesichert.                                                                                       

  • Private Kranken- und Pflegezusatzversicherungen: Ist nicht notwendig. Solltest du Leistungen wünschen, die über den gesetzlichen Krankenversicherungsschutz hinausgehen (Chefarztbehandlung im Krankenhaus, eine bessere Zahnversorgung, die Übernahme der Kosten beim Heilpraktiker oder höhere Leistungen im Pflegefall) kann diese sinnvoll sein.                                                                      

  • Reiserücktrittskostenversicherung: Lohnt sich für dich, solltest du gerne teure Pauschalreisen buchen und mit deinen kleinen Kindern reisen. Gewisse Kreditkarten bieten diesen Versicherungsschutz als Teil der eigenen Leistungen an (wenn du die Reise mit der Kreditkarte bezahlst).                                                          

  • Kfz-Vollkaskoversicherung: Wenn du ein neues Auto kaufst, ist diese sinnvoll                                                                           

  • Kfz-Teilkaskoversicherung:  Macht mehr Sinn, wenn du ein teures Auto kaufst 

4 - Wenig sinnvoll und daher keine Empfehlung von uns:  Aus der Kostenperspektive sind diese, zumeist teure, Versicherungen nicht zu empfehlen:

  • Handyversicherung: im Schadenfalls zahlst du meist mehr als du als Prämie erhältst. Hier sind meist gewisse Schäden ausgeschlossen, weiterhin gilt in Deutschland immer noch die gesetzliche Garantie.                                       

  • Autoschutzbrief: ist meist teurer als eine Kfz-Haftpflichtversicherung.

 

Generell gilt: prüfe ab und an deine Versicherungsverträge. Benötigst du den jeweiligen Schutz wirklich? Kannst du ein günstigeres Angebot von einem anderen Anbieter nutzen? 

Unsere Empfehlung: Nettoverträge und Apps nutzen

In einigen Fällen brauchst du den Anbieter nicht wechseln, wenn du signalisierst, dass du den Vertrag kündigen möchtest. Du wirst überrascht sein, wie oft du Versicherungskosten verhandeln kannst. Merke dir unbedingt das Stichwort Nettoverträge. Hierbei handelt es sich um Verträge, bei denen du keine Kommission oder Provision an den Vermittler oder Makler zahlst. Entsprechend sind sie günstiger. Denn meist wird die Kommission oder Provision in deine Prämie eingerechnet. Dir ist das meist nicht bewußt: bei Vertragsabschluss kann ein Makler eine Provision von 2.500 EUR erhalten, die du über 10 Jahre abzahlen wirst. Es gibt nicht für alles Nettoverträge: einige findest du unter gonetto.                        

Nutze einige Apps zum Preisvergleich: etwa verifox oder finanzguru. Bitte sei dir bewusst, dass die Firmen, die diese Apps führen, häufig Provisionen von den Anbietern erhalten.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson). 

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