Es ist nicht alles Gold, was glänzt

 
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In unseren Trainings hören wir derzeit häufiger die Fragen: “Ist derzeit ein guter Moment, um zu investieren?” oder: “In der Zeitungen steht momentan alles voll über sinkende Aktienkurse und Wirtschaftskrise - sollte ich wirklich in Aktien investieren?”. Ich muss zugeben: wenn ich in mein Anlageportfolio schaue, schneidet meine Investition in den MSCI World Index für 2018 nicht so gut ab. Ich selber frage mich: sollte ich besser in andere Anlagen investieren, etwa in Gold?

Was ist Gold?

Gold ist ein seit 7.000 Jahren bekannter Rohstoff. Das Metall wurde etwa in ägyptischen Gräbern gefunden und meist als Schmuck verwendet. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich zum Zahlungsmittel - Wert und Beschaffenheit prädestinierten es hierfür. Das Goldvorkommen ist gering und trägt daher zu seinem Wert bei. Das Volumen des derzeit verfügbaren Goldes passt in ein 20 Meter x 20 Meter großes Bürogebäude in Würfelform. Im Gegensatz zu anderen Metallen kann Gold dank des Schmelzens relativ gut geteilt werden - dir ist sicherlich Gold in Barrenform oder als Münze bekannt. Zum Wert des Goldes trägt auch bei, dass es weder oxidiert noch rostet. Geld löste Gold und Silber irgendwann als Zahlungsmittel ab. Lange aber mussten Zentralbanken den Gegenwert von Geld in Gold halten, um das im Umlauf befindliche Geld abzusichern. Dies hat sich im letzten Jahrhundert geändert: seit 1971 ist der US Dollar vom Gold entkoppelt.

Lohnt es sich, in Gold zu investieren?

Hierzu gibt es gemischte Meinungen: Kritiker bemängeln, dass Gold historisch gesehen nur eine halb so hohe Rendite erwirtschaftet hat als Aktien. Laut der Zeitung Finanztip hat Gold zwischen 1975 und 2018 4% jährliche Rendite erzielt. Im Vergleich: der MSCI World Aktienindex erwirtschaftete ca. 8% jährliche Rendite pro Jahr. Auch schwankt der Goldpreis mehr als Aktien - dieses stellt ein Risiko dar. Gold wirft außerdem keine laufenden Erträge ab. An Gold verdienst du nur durch Kauf und Verkauf. Das ist ein Unterschied zu Anleihen, bei denen du Zinsen verdienst, oder Immobilien, an denen du durch Mieten zusätzliche Einnahmen generierst. Goldfans wiederum verweisen auf die weltweite Akzeptanz von Gold. Ex-US Notenbankchef Alan Greenspan ist so ein Fan: “Gold ist das ultimative Zahlungsmittel auf der Welt, Gold wird überall akzeptiert”. Befürworter von Gold verweisen gerne auf die geringe Menge von Gold. Das Metall wird als krisensicher eingestuft: während der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrisen stieg der Goldwert anders als bei Aktien. Der Goldkurs und Aktienkurse bewegen sich häufig nicht gleich, sie haben eine niedrige Wechselseitigkeit (Korrelation). Somit eignet sich Gold zur Diversifikation deines Portfolios. Du erinnerst dich sicher, warum du diversifizieren solltest: um dich möglichst breit aufzustellen und dein Risiko beim Anlegen zu streuen (das kann in eine Kombination aus Aktien, Anleihen, Immobilien oder auch Rohstoffen wie Gold münden).

Ray Dalio, ein berühmter US-amerikanischer Investor (und Gründer des Hedge Fonds Bridgewater Associates) und auch der Autor des Buches „Souverän investieren mit ETFs“, Dr. Gerd Kommer, schlagen vor, Gold als Teil eines Anlageportfolios zu halten. Als Bestandteil des von ihm konzipierten „Weltportolios“, schlägt Dr. Gerd Kommer vor, knapp 7% des Portfolios in Rohstoffen zu halten. Und als Komponente seines „Allwetter Portfolio“ propagiert Ray Dalio, 7.5% des Portfolios durch Gold abzudecken. Die Zeitung Finanztip schlägt maximal 10% vor.

Du siehst schon: es gibt Vorteile und Nachteile. Gold lohnt sich als Bestandteil eines bereits diversifizierten Portfolios.

Aber bitte nicht ausschließlich in Gold investieren!

Wie gehe ich konkret vor, wenn ich in Gold anlegen will?

Du kannst direkt in Gold investieren, indem du einen Goldbarren oder eine Goldmünze kaufst. Das ist möglich über Portale wie www.gold.de. Derzeit liegt der Goldpreis bei 1.127,48€ pro Unze (1 Feinunze ≈ 31,10 Gramm). Ein 1kg schwerer Goldbarren kostet ca. 36.348,06€. Eine 0,5 g „schwere“ Goldmünze kannst du schon ab 36€ ersteigern und ein 1g eines Barrens ab 40€ (Stand Jan. 2019). Beim Kauf entscheidest du, ob du das Gold selber halten willst (dann wird dir der Barren oder die Münze geschickt) oder ob das Gold für dich in einem Tresor verwahrt wird (durch eine Bank oder einen anderen Anbieter). Solltest du dich für die zweite Option entscheiden, fallen Gebühren für die Tresormiete an.

Wichtig: Wenn du Gold im Wert über 10.000€ kaufst, lohnt es sich, dieses im Tresor verwahren zu lassen. Das kostet ca. 60€ pro Jahr. Ersteigert du weniger, dann kannst du es zuhause verwahren. In dem Fall versichere es bitte als Teil deines Hausrats.

Die Alternative: du kaufst indirekt Gold ein über das Vehikel der ETCs (Exchange Traded Commodities = an der Börse gehandelte Rohstoffe). Und so funktioniert es: über die Börse investierst du in eine Schuldverschreibung, die an die Wertentwicklung von Rohstoffen gekoppelt ist. Stell dir einfach vor, du leihst der Gegenpartei (auch: Emittent genannt) Geld, um Gold zu kaufen (daher die Schuldverschreibung). Es gibt physische ETCs: die Gegenpartei kauft „echtes“ (anfassbares) Gold. Oder aber du legst in die Wertentwicklung an: du profitierst von der Entwicklung des Goldes, ohne das Metall tatsächlich zu kaufen. Bei ETCs ist das Risiko höher, da bei einer Pleite der Gegenpartei (dem Emittenten) dein Geld weg ist. Bei physischen ETCs existiert dieses Risiko nicht, da der Emittent das Gold physisch kaufen und einlagern muß. Aber auch hier gilt: wie kommst du im Fall der Fälle an das physische Gold? Daher wird das Risiko von ETCs höher eingestuft als bei physischem Gold (welches du als Münze oder Barren kaufst).

Die Essenz des Ganzen

Es macht dann Sinn, Gold zu ersteigern, wenn du es zur Diversifizierung deines Anlageportfolios nutzt (max. 10%). Insbesondere in Krisenzeiten kann Gold glänzen. Wir würden nicht auf Gold als alleinige Anlage setzen, da wie beschrieben Goldpreise stärker als Aktienpreise schwanken und noch dazu langfristig geringere Renditen abwerfen. In diesem Sinne: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson). 

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