Kostenfaktor Klamotten: meine Erfahrung

 
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Ich schreibe meine Ausgaben auf. Ich bin in diesem Punkt sehr sorgfältig. Das bedeutet nicht zwangsläufig, daß ich weniger ausgebe (solange meine Ausgaben innerhalb der von mir definierten Grenzen bleiben). Aber ich habe gerne einen Überblick darüber, wie viel Geld für sogenannte Lifestyleausgaben drauf geht. Gemäß der 50-30-20 Budgetierungsregel darfst du bis zu 30% deines Nettoeinkommens Lifestyle Posten (einschließlich Kleidung) zuteilen.

 

REALITÄTSCHECK: MEINE BEKLEIDUNGSAUSGABEN

Ich bin zwar meistens sparsam, wenn es um das Wohnen geht (ich habe in den letzten Jahren meist in WGs gewohnt und teilweise bei meiner Mutter), aber bei Klamotten ist das anders. In den letzten sechs Jahren habe ich pro Monat durchschnittlich so viel Geld ausgegeben: EUR 182 (2013), EUR 271 (2014), EUR 203 (2015), EUR 314 (2016), EUR 122 (2017), EUR 329 (2018). Anders ausgedrückt: Ich habe in sechs Jahren etwas weniger als EUR 20.000 in Kleidung investiert (genauer gesagt EUR 17.078,81). Oder EUR 2846 pro Jahr. Das nahm ich zum Anlaß zu recherchieren, wie viel der Durchschnittsbürger der G7-Länder (G7: die am stärksten industrialisierten Länder der Welt: Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich) für Kleidung ausgibt. Statista zufolge sind die Pro-Kopf-Ausgaben für Bekleidung in Australien am höchsten (durchschnittlich USD 1050 pro Jahr), gefolgt von Kanada und Japan (durchschnittlich USD 831 und USD 814) und den EU-27-Ländern mit USD 663 pro Kopf.

Meine jährlichen Bekleidungskosten sind fast 4,5 höher als die eines durchschnittlichen EU-27-Bürgers!

 

ARBEITSKLAMOTTEN MÜSSEN NICHT SO VIEL KOSTEN

Natürlich kann man argumentieren, daß ich aufgrund meines Jobs so viel Geld ausgeben muß. Ich bin in der Beratung tätig; bisher primär im Bankwesen – schicke und professionell aussehende Kleidung ist ein Muß. Dies trifft jedoch nur bedingt zu, da die Kleiderordnung für Frauen heutzutage weitaus weniger strikt ist (ich trage oft einfach ein schönes Kleid mit einem Blazer). Ich neige dazu, mein Bürokleider online bei Ebay UK zu kaufen, da ich dort Kleider meiner britischen Lieblingsmarke Hobbs (NW3) finde. Diese (gebrauchten) Kleider kosten im Durchschnitt GBP 40-60. Darüber hinaus: sobald du in 2-3 klassische Anzüge investiert hast, brauchst du nur noch ein paar neue Oberteile pro Jahr, um gut kombinieren zu können. Also: all das ist kein Grund, mehrere Tausend Euro pro Jahr für Klamotten auszugeben wie ich das tue. Ein weiteres, oft genanntes Argument: im Vergleich zu einigen Instagram-Fashionistas, die Céline-Taschen im Wert von mehreren Tausend Euros besitzen, sind meine Ausgaben relativ harmlos. Klar kann man auch das sagen.

Das sagen die Experten: du solltest nicht mehr als 5% deines monatlichen Nettoeinkommens für Kleidung allokieren.

 

HIER GEHT ES AUCH UM UNSERE UMWELT

Mich hat ein kürzlicher Einkauf mit meiner amerikanischen Freundin Lesley in einem Goodwill-Laden in Nordkalifornien inspiriert, diesen Artikel zu schreiben. Dies war eine Premiere für mich: es gibt zwar in Deutschland einige Humana Läden, aber ich weiß nicht, ob ich dort shoppen darf. Ich war auch schon lange nicht mehr in einem Second Hand-Laden (es sei denn, wir rechnen meine Online Einkäufe bei Ebay UK hinzu). Im Goodwill-Laden auf Schnäppchenjagd zu gehen, war für mich eine echte Offenbarung. Einige der Nike Laufoberteile der Kategorie „Dry-FIT“, die ich dort sah, wirkten so, als wenn sie kaum getragen worden seien! Da ich mich sehr für Mode und die Bekleidungsindustrie (und das „Fast fashion“ Phänomen) interessiere, ist mir bewußt, wie viel Abfall die Bekleidungsindustrie produziert.

Laut der amerikanischen Ellen Mac Arthur-Stiftung wird JEDE SEKUNDE das Äquivalent eines Müllwagens mit Textilien verbrannt oder auf die Müllhalde gefahren (2017).

Bis 2030 werden wir 102 Millionen Tonnen Bekleidung verbrauchen (eine Steigerung von 63% gegenüber dem Verbrauch von 2017). Laßt uns besser nicht über den CO2 Verbrauch der Modeindustrie sprechen….

Bis 2050 wird die globale Bekleidungsindustrie ein Viertel der jährlichen CO2-Emissionen weltweit verursachen (Quelle ebd.).

 

EIN NEUES OUTFIT FÜR WENIGER ALS 15 US DOLLARS

Die Statistiken zu kennen ist eine Sache. Alle diese gebrauchte Kleidung an einem Ort zu sehen, war die andere. Meine amerikanische Freundin Lesley liebt es, im Goodwill Laden zu shoopen. Kürzlich trug sie eine wirklich schöne Jeansjacke von Ann Taylor Loft (eine amerikanische Marke). Die Jacke sah wie neu aus und Lesley hatte sie in einem Goodwill-Laden für 5 US Dollar ergattert. Inspiriert von diesem „Schnäppchen“ - und davon, daß mir für ein bestehendes Event meiner Business School ein Outfit fehlte – durchstöberte ich den Laden. Mein Ziel: ein rosafarbenenes Kleid für ein Event am internationalen Frauentag finden (Kleiderordnung: trage pink). Das Resultat: Ich fand ein hübsches und neu aussehendes Kleid für 7 US Dollar. Den dazu passenden Gürtel erstand ich für 2,55 US Dollar. Die bordeauxfarbenen Ballerinas kosteten 5,35 US Dollar. Ich werde alles mit einer dunkelblauen Anzugjacke kombinieren und das Outfit ist komplett. Ausgaben: 14,90 US Dollar. Und ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat!

Ich bin ganz sicher nicht der Typ, der Frauen rät, weniger Geld für Kleidung auszugeben. Mir macht Mode Spaß. Wenn du ein gutes Gehalt verdienst und im Rahmen deines Lifestyle-Budgets bleibst, warum nicht in Mode investieren? Ich liebe Chanel Nagellack und Lippenstift und möchte mir diese Gegenstände ab und zu leisten. Meine Freundinnen können das bestätigen.

Meiner Meinung nach ist aber wichtig, die Auswirkungen regelmäßigen Shoppingausflüge im Auge zu behalten - sowohl für dein Budget als auch für die Umwelt.

In Anbetracht der Umweltschäden, die mit einer erhöhten Bekleidungsproduktion einhergeht, und der schieren Menge an gebrauchter Kleidung, stellt sich mir die Frage: warum nicht den Planeten und das Bekleidungsbudget schonen? Es gibt einige gute Anlaufstellen für Second-Hand-Einkäufe, wie zum Beispiel Goodwill Läden in den USA oder Ebay und Kleiderkreisel im deutschsprachigen Raum.

 

TRENDTHEMA: EIN JAHR LANG KEINE KLAMOTTEN KAUFEN

Im Goodwill Geschäft einzukaufen und all die getragenen Klamotten zu sehen, machte mich sehr nachdenklich. 2017 las ich das Buch „Ich kauf nix! Wie ich durch Shopping Diät glücklich wurde” der österreichischen Nunu Kaller. Die Autorin warf einen ehrlichen Blick auf die schiere Menge an Kleidung, die sie besaß, und gab ein Jahr lang kein Geld für Klamotten aus. Dabei stellte sie fest, daß es ihr damit gut ging. Ich fragte mich daraufhin, ob ich das könnte - die Antwort ist nein. Aber weniger und mehr gebrauchte Kleidung kaufen? Das ist definitiv eine Option.

Quellen:

Ellen Mac Arthur Stiftung: “A New Textiles Economy: Redesigning fashion’s future” (2017), Statista und WWD: “List: Who Spends the Most on Apparel?” by Arthur Zacczkiewicz (2015), und weitere Quellen wie www.wwf.de und www.sustainablebrands.com


Geschrieben von Caroline-Lucie Ulbrich
Finelles Gründerin. Coach und Consultant (ECB, Deutsche Bank und UBS). 

 

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