Geld verdienen und Gutes tun: nachhaltiges Investieren

 

Wir wurden via Instagram gebeten, einen Artikel zu nachhaltigem Investieren zu schreiben. Nachhaltigkeit ist immer mehr ein Thema, ganz egal, ob es um Gärtnern in der Stadt, BIO oder fairen Handel geht. Auch nachhaltiges Investieren rückt immer stärker in den Fokus.

Was hat Nachhaltigkeit oder auch Ethik mit Investieren zu tun?

Nachhaltiges (= ethisches) Investieren bedeutet, dass du Dein Geld in Wertpapiere von Unternehmen anlegst die nachhaltig oder ethisch agieren. Die Nachhaltigkeit wird durch das ESG Konzept näher eingegrenzt.

Im ESG Konzept steht das “E” steht für “Environmental” (Umwelt oder umweltfreundlich): du investierst in Unternehmen, welchen der Schutz von Naturgütern wie auch die nachhaltige Nutzung von Naturgütern unterstützen. “S” steht für “Social” also sozial: diese Unternehmen sorgen für die Achtung der Menschenrechte, Frieden und auch gute Arbeitsbedingungen. “G” steht für “Governance”: das Unternehmen agiert korruptionsfrei. Im Portfolio eines ESG Fonds wirst du keine Aktien von Firmen finden, die mit Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen, Atomkraft, Pornografie oder Gentechnik Umsatz machen. Abgesehen von Unternehmen, die dem ESG Konzept folgen, hast du auch die Möglichkeit, in Unternehmen zu investieren, die ihren CO2 Ausstoss reduziert haben oder im Vergleich zu anderen weniger CO2 Ausstoß haben.


Wie kannst du konkret nachhaltig investieren?

  1. Kaufe Aktien von Firmen, die nachhaltig sind. Der Vorteil bei dieser Variante ist, dass du direkt in ein nachhaltiges Unternehmen investierst, sofern das Unternehmen börsengelistet ist. Der Nachteil ist, die bedingt viel Recherche und auch eine Beobachtung vom Unternehmen, ob es weiterhin nach denselben Standards agiert.

  2. Wähle ETFs oder Fonds aus, die in Firmen investieren, die basierend auf dem ESG oder dem CO2 (auch Carbon Footprint genannt) als gut bewertet werden. Solche Fonds schließen Firmen aus, die mit Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen, Atomkraft, Pornografie oder Gentechnik Geld verdienen oder mehr CO2 Ausstoß haben. Da die Nachfrage nach nachhaltigen ETFs steigt, gibt es immer mehr Anbieter. Im Vergleich zu regulären Fonds oder ETFs (bsp. dem MSCI World, der auf über 1640 Unternehmen beruht), sind aber diese Fonds und ETFs nicht so breit aufgestellt (also nicht so diversifiziert), da viel weniger Unternehmen das Nachhaltigkeitskriterium erfüllen. Diese ETFs sind an der Kennzeichnung “ESG”, “SRI”, “Sustainability”, “low Carbon”, “ex tabacco” o.ä. zu erkennen. Unter justetf kannst du gezielt nach ihnen suchen (Link: https://www.justetf.com/ch/how-to/invest-in-social-responsibility-europe.html). Der Vorteil vom Kauf von Fonds und ETFs ist für Dich, dass du selber keine Zeit aufbringen musst, um etwa in ein Sammelsurium von nachhaltigen Firmen zu investieren. Wenn Du Dir nicht die Mühe machen willst, selber entsprechende Aktien auszuwählen, kannst du bei einigen Robo Advisorn ein nachhaltige Portfolios erstellen (z.B. bei Visual Vest).

  3. Investiere in nachhaltige oder ethische Projekte, etwa über Crowdfunding Plattformen (wie Bettervest). Hier kannst du etwa in nachhaltige Energieprojekte anlegen. Dein eingesetztes Kapital kommt in dem Fall direkt einem Projekt zugute. Bei Aktien oder auch Fonds und ETFs erhält nicht direkt das Unternehmen das von Dir investierte Kapital. Stattdessen findet ein Tauschgeschäft zwischen Käufer und Verkäufer von den jeweiligen Aktien oder Fonds und ETFs statt. Bei einer direkten Investition unterstützt du direkt ein Projekt. Der Nachteil: das Projekt könnte nicht erfolgreich beendet werden, es gibt eine Insolvenz oder es wird keine Rendite abgeworfen.


Nachhaltigkeit kann nur bedingt gemessen und somit sichergestellt werden

Die Frage nach der Messbarkeit stellt sich: ab wann ist das Unternehmen wirklich nachhaltig oder ethisch? Ein gutes Beispiel hierfür: Ein Rüstungshersteller ist per Definition nicht ethisch, aber was ist mit seinem Lieferanten? Dies zeigt die nicht klare Trennschärfe bei gewissen Definitionen. Weiterhin bist du durch die Eingrenzung eingeschränkter und hast im Vergleich zum Rest des Anlageuniversums weniger Auswahl an Atkien, Fonds und ETFs, was teilweise zu einer nicht genügenden Diversifikation Deines Anlageportfolios führt.


Wie kann ich diese Probleme an- oder umgehen?

Wenn Du nachhaltige Investments unter die Lupe nimmst, nimm Dir etwas mehr Zeit und prüfe, ob dies deiner Sicht entspricht. Ein Beispiel: Du wählst einen ETF raus, der nach dem ESG Prinzip investiert, dann lies das Factsheet durch und evaluiere, ob die Auswahl der enthaltenen Firmen für Dich in Ordnung sind. Im Rahmen der Diversifikation (Deines Portfolios) kannst Du in ETFs investieren, idealerweise in einen der größeren Indizes wie den MSCI World. Dadurch sicherst Du zum einen ab, dass der ETF diversifizierter ist und dennoch nachhaltig und ethisch.


Geld verdienen und Gutes tun

Weitere Nachteile wirst du kaum haben, häufig haben nachhaltige Fonds und ETFs eine ähnliche Rendite, wie “normale” Vergleichsfonds oder ETFs. Häufig ist die Wertsteigerung sogar höher bei nachhaltigen Fonds oder ETFs, aber dies ist nicht garantiert. Kurzer Exkurs: Der Vorteil von ETFs gegenüber aktiven Fonds ist, dass die Kosten niedriger sind. Im Vergleich zu einem aktiv gemanagten Fonds zahlst du bei einem ETF 0,2-0,5% Gebühren pro Jahr für Dein investiertes Geld vs. 2,5-5% pro Jahr.


Der grosse Vorteil ist, dass Geld verdienen und Gutes tun, in diesem Fall nicht im Widerspruch zueinander steht.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson). 

Go back to

 

(3 MINUTEN LESEDAUER)