Lerne Dein Risikoprofil zu schätzen!

 
Photo by  Simon Rae  on  Unsplash

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Wieviel Risiko willst du in Kauf nehmen?

Bevor du mit dem Investieren beginnst und Deine Produkte auswählst, brauchst du ein Verständnis davon, wie viel Risiko du bereit bist einzugehen. Dieses Verständnis von der eigenen Risikotoleranz ist das Risikoprofil. Aber wie genau bestimmst du das?

1. Bestimme Deine Risikokapazität

Die Risikokapazität oder Risikofähigkeit bezieht sich auf das Geld, welches du absolut hast bzw. auch was du absolut an Einkommen, Schulden und Vermögen besitzt. Dieses ist einfach zu messen. Du schreibst Dein Einkommen, Deine Schulden und Dein Vermögen auf. Dein Nettovermögen ermittelst du, indem du von Deinem Vermögen Deine Schulden abziehst. Dein Nettovermögen zeigt Dir an, was du maximal investieren kannst (solange es positiv ist). Hinzu kommt ein monatlicher Anteil von Deinem Netto-Einkommen, den du sparst und maximal investieren kannst. Beide Beträge machen Deine maximale Risikokapazität aus. Die Risikokapazität wird auch durch Faktoren wie Dein Alter beeinflußt: je jünger du bist, desto mehr Risiko kannst du auf Dich nehmen. Wenn du 5 Jahre vor der Rente stehst, dann kannst du absolut gesehen nur noch weniger Geld verlieren (weniger Zeit, um einen solchen Verlust auszugleichen). Wenn du 35 Jahre bis zum Rentenbeginn bevorstehen, sieht das wieder anders aus.

2. Definiere Deine Risikoaversion

Die Risikoaversion oder auch Risikobereitschaft bezieht sich auf Deine emotionale Abneigung, Risiko einzugehen. Diese ist nicht einfach zu beziffern. Auch gibt es nicht die einzig wahre Methode, diese zu ermitteln. Was ermittelt werden kann: wie sehr du Schwankungen am Markt akzeptieren kannst.  

Die meisten Finanzberater und Banken verwenden eine Methode, welche Anleger in ca. 3-5 Kategorien einteilt.

  • Bei einer 3er Kategorisierung gibt es häufig eine Einteilung in einen aggressiven, einen moderaten oder einen konservativen Anleger.

  • Bei einer 5er Kategorisierung teilen Berater Anleger in aggressiv, dynamisch, neutral, moderat und konservativ ein (dies ist nur eine genauere Abstufung, führt aber zu einem ähnlichen Ergebnis.)

Um Dich einer Kategorie zuzuordnen, stellt Dir ein Finanzberater folgende Fragen (Auszug):

"Was würden Sie tun, wenn der Aktienmarkt im Laufe eines Jahres um 20 Prozent gefallen wäre? Sie würden

a) nichts tun,

b) einige Monate warten, um eine Entscheidung zu treffen oder

c) Ihre Aktien sofort verkaufen . "

Wärst du eine aggressive Anlegerin, würdest du a) wählen, eine moderate b) und eine konservative c). Diese Frage und weiter Fragen helfen Dir, Dir ein Bild zu machen, wie viel Risiko Dein Portfolio aushalten kann. Anders ausgedrückt: wieviel % vom Portfolio mit risikobehafteten Anlagen wie Aktien bestückt werden kann.

3. Und nun zu Deinem Risikoprofil

Die Ergebnisse aus Deiner ermittelten Risikokapazität und Risikoaversion fließen in Dein Risikoprofil ein. Beide zu verknüpfen ist wichtig: es kann sein, dass eine Frau eine aggressive Investorin ist, aber nur noch 5 Jahre bis zur Rente hat - die Risikokapazität wäre entsprechend niedriger, da eine solche Person das investierte Geld für die Rente benötigt. Mögliche Schwankungen am Markt, die zu möglichen Verlusten führen könnten, könnten dann nicht mehr ausgeglichen werden.

Dein Risikoprofil oder Anlegerprofil kannst du bestimmen mittels Online Fragebögen wie z.B.  easyfolio.

4. Und zu Deiner Anlagestrategie

Dein Risikoprofil bestimmt schlussendlich Dein Anlageprofil. Ein Anlageprofil ist die Aufteilung eines Portfolios nach Anlageklassen. Tools wie die oben genannten von easyfolio geben Dir nach dem Ausfüllen Deines Risikoprofils Informationen zur Asset Allocation. Diese Infos helfen Dir zu definieren, wie viel % Aktienanteile du im Portfolio haben solltest. Bist du z.B. eine aggressive Investorin, besteht Dein Portfolio zu ca. 80% aus Aktien.

Meine Zusammenfassung für Dich: bestimme unbedingt Dein Risikoprofil, damit du Deine Anlagestrategie erarbeiten kannst und innerhalb Deines Risikoappetits beim Investieren bleiben kannst.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Consultant (PwC, UBS, Towers Watson). 

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(5 Minuten Lesedauer)