Investitionsmythos 1: Ich muss gut in Mathe sein

 

Muss ich in Mathe gut sein, um investieren zu können?

Als wir Finelles ins Leben riefen, sagten mir Frauen, sie investieren nicht, weil sie nicht gut in Mathe sind.

Aber du musst kein Mathetalent sein!

 Warum?

Zunächst einmal sind die wichtigsten Entscheidungen, wenn es um Investitionen geht, nicht mathematischer Natur.

Was Du als Novizin beim Investieren entscheidest, ist folgendes:

  1. Welche Anlagestrategie solltest du wählen? Aktiv vs. passives Investieren. Wenn Du Anfänger bist, empfehlen wir Dir eine passive Anlagestrategie mit ETFs

  2. Wie viel Risiko (potenzieller Verlust) bist Du bereit einzugehen und wie viel Rendite möchtest Du erzielen? Dieses ist eine persönliche Frage; die Erstellung Deines Risikoprofils hilft Dir bei der Beantwortung.

  3. Wie lange möchtest Du investieren? Idealerweise langfristig (20-30 Jahre), aber 10-15 Jahre ist auch in Ordnung. Unterhalb dieses Zeitraums empfehlen wir nicht, Geld zu investieren, welches Du kurzfristiger benötigst.

  4. Wie viel Geld kannst du auf einmal oder monatlich anlegen? Im Idealfall sparst Du bis zu 20% Deines Nettoeinkommens, zahlst zunächst Deine Schulden ab und schaffst Dir ein Polster von 3 Monatsgehältern. Dann kannst Du wählen, wieviel Du investieren möchtest. Wir empfehlen, so viel wie möglich zu investieren, aber nur Geld, das Du in den nächsten 10-30 Jahren nicht benötigst für einen Wohnungs- oder Hauskauf oder ähnliches.

Ein Beispiel: Eva, eine passive Investorin

Eva möchte a) passiv investieren, hat b) eine mittlere Risikotoleranz. Dies entspricht etwa 50% Investitionen in risikoreiche Anlagen (z.B. Aktien, Rohstoffe, Immobilien) und 50% in sicheren Anlagen (z.B. AAA-Anleihen, Barmittel). Sie möchte c) 15-20 Jahre investieren und hat d) 10.000 € zur Verfügung sowie weitere 200 € pro Monat. 

Und nun? Anzahl der ETFs bestimmen

Zuerst muss Eva wissen, wieviele ETFs sie kaufen sollte - in Bezug auf Kaufpreiskosten und um dennoch diversifiziert zu sein.

Laut Morningstar (einer Investment-Nachrichten- und Analyse-Website) sollte man für ein Anlagevermögen von 50.000€ oder weniger max. 1-2 ETFs wählen. Für Eva mit ihrem erstmaligen Investitionsbetrag von 10.000 € heißt das ganz klar: in 1 bis maximal 2 ETFs investieren.

100 € pro ETF pro Monat

Für Deine Sparbeträge gilt die Regel, dass du pro ETF nicht weniger als 100 € pro Monat anlegen solltest. Da Eva 200 € pro Monat investieren möchte, könnte sie zum Beispiel 50% oder 100 € in einen Aktien-ETF (für den risikoreichen Anteil) investieren, zum Beispiel einen MSCI World ETF und 50% oder 100 € in einen Anleihen-ETF (für den risikolosen Anteil).

Abhängig von Deinem Risikoprofil kann dies variieren. Wenn Du beispielsweise einE aggressive Investorin bist und ca. 80% in den risikoreichen Anteil (Aktien, Rohstoffe, Immobilien) und 20% in den risikolosen Anteil investieren möchtest, dann heisst das: 80% von 200 € sind 160 € und 20% von 200 € wären 40 €.

In diesem Fall wäre es ratsam, nur in 1 ETF (z.B. MSCI World) mit 160 € zu investieren und die 40 € auf einem Tagesgeldkonto anzulegen. Alternativ kann Eva auch alle drei Monate (vierteljährlich) den kumulierten Betrag (3 x 40 € = 120 €) in den risikolosen Anteil (z.B. AAA-Anleihe-ETF) investieren.

Eva's Strategie: einfach und praktisch

Eva hat sich für 2 ETFs entschieden; einen Aktien-ETF und einen Anleihen-ETF. Da sie keine anderen Anlageklassen als Rohstoffe und Immobilien zur Diversifizierung ihres Portfolios aufnehmen kann, wählt sie einen sehr diversifizierten Aktien-ETF (entweder den MSCI World oder den MSCI ACWI) und einen Anleihen-ETF (hier wählt sie eine Staatsanleihe aus einem verlässlichen Land, z.B. Deutschland). 


Das war's schon!?

Ja, wie Du sehen konntest, gibt es nicht viel zu berechnen. Die einzige Berechnung besteht darin zu verstehen, dass mit der Anzahl der ETFs die Kosten steigen (und sich somit die Rendite reduziert).

Daher mag ich die Regel mit min. 100 € pro ETF pro Monat.

Du kannst fix Dein Risikoprofil überprüfen (z.B. mit dem Strategie Builder von justETF ). Wenn ein ETF unter 100 € pro Monat liegt, bleibst Du am Besten entweder bei weniger ETFs oder Du investieren vierteljährlich als kumulierten Betrag.

Wie schwer fandest du die mathematische Anforderungen? Wir denken das sollte machbar sein:)


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson). 

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