Altersvorsorge - Grund zur Sorge?

 
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In den Medien wird häufig über das Thema Altersvorsorge gesprochen. Meist verbunden mit dem Appell, der und die Einzelne solle sich möglichst früh mit der eigenen Rente auseinandersetzen. Um das zu können, musst du die wichtigsten Begriffe kennen. Außerdem geben wir Dir ein paar Tips und Tricks mit, wie du eine potentielle Rentenlücke schließen kannst.

Deine spätere Rente

Deine zukünftige Rente beruht auf zwei Elementen: deinem Gehalt und der Dauer, die du arbeitest und somit in die Rentenversicherung einzahlst. Ein Beispiel: wenn du jährlich ca. 38.000€ verdienst, bringt dir das bei der Rentenversicherung einen 1 Entgeltpunkt ein. Hast du ein höheres Gehalt, erhälst du mehr Punkte, bei einem geringeren entsprechend weniger. Wenn du ein Jahresgehalt von 45.000€ hast, stehen dir 1.19 Punkte zu, da 45.000€ 19% mehr sind als 38.000€. Solltest du Kinder bekommen und nicht weiterhin 100% deines vorherigen Gehalts zur Verfügung haben, erhältst du pro Kind 1 Entgeltpunkt für dein Rentenkonto für max. 3 Jahre pro Kind.

Zu Ende deines Arbeitslebens wird der Kontostand ausgewertet: die Summe der Rentenentgeltpunkte wird zusammengezählt und mit dem Rentenbarwert multipliziert. Ein Beispiel: wenn du heute 45 Punkte hast, dann würdest du ca. 1.396€ erhalten (gilt für Westdeutschland, leichte Abweichung in Ostdeutschland). Das würde der Fall sein, wenn du 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen verdient hast.

Dieser Rentensatz stimmt allerdings nicht mit der Realität überein: eine Frau erhält derzeit monatlich 606€ (West) und ein Mann 1.078€ (West).

Dies sagt noch nicht viel über die Zukunft aus, ist allerdings auch keine rosige Prognose. Frauen erhalten weniger Rente, weil sie viel häufiger unterdurchschnittlich verdienen (bedingt etwa durch Jobwahl) und weil sie mehr in Teilzeit arbeiten und häufig Minijobs annehmen. Durch Karrierepausen haben sie auch weniger Aufstiegschancen.

Rentenlücke - verstehen

Die Rentenlücke stellt den Unterschied zwischen der Rente dar, die ich bekomme und meinen Lebenshaltungskosten im Rentenalter. Die Herausforderung: zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich weder genau, wieviel Rente ich erhalten werde, noch welche Lebenshaltungskosten ich später habe werde.

Wie kannst du deine Rentenlücke berechnen?

Es gibt einige online Rechner, etwa den Rechner vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (https://www.ihre-rentenluecke.de/#start). Hier kannst du deine Daten eingeben (Alter, Nettoeinkommen, Inflation, Rentenpunkte). Der Rechner kalkuliert die Rentenlücke (= Vorsorgelücke). In einem zweiten Schritt kannst du basierend auf verschiedenen Renditeerwartungen deine monatlichen Sparbeträge berechnen. Der Rechner zeigt dir zwei verschiedene Szenarien an: die benötigte Rendite, wenn du einen monatlichen fixen Sparbetrag zur Seite legen kannst oder basierend auf einer Rendite, wieviel du monatlich sparen müsstest.

Praktischer Tipp: Gewisse Fragen kann man auch der Deutschen Rentenversicherung (https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/01_kontakt_und_beratung/KontaktUndBeratung_node.html) direkt stellen unter 0800 1000 4800.

Wie kannst du deine Lücke schließen?

Viele Wege führen nach Rom. Wenn du Mutter und festangestellt bist, kann sich eine Riester-Rente lohnen, je nachdem welchen Vertrag du wählst. Auch die betriebliche Altersvorsorge solltest du in Erwägung ziehen, da bis zu einem Betrag von 6.240€ pro Jahr diese Einzahlungen steuer- und sozialabgabenfrei sind und der Arbeitgeber ab 2019 15% mittragen muss.

Unser Tipp: frage deinen Arbeitgeber, was er anbietet. Wenn du selbstständig bist und nicht in die gesetzliche Rente einzahlt, wäre ggf. die Rürup Rente etwas für dich. Auch ein Immobilienkauf kann aufgrund von Steuervorteilen Sinn machen, da als Eigenheim man sich die Miete spart oder als Kapitaleinlage ein Einkommen im Alter darstellt.


Private Altersvorsorge - Früher und heute

Die private Vorsorge stellt eine weitere Möglichkeit dar, vorzusorgen. In der Vergangenheit wurden hierfür häufig private Rentenversicherungen gewählt. Diese bieten leider heutzutage eine geringe garantierte Rendite (ca. 0.9%). Und sie sind häufig mit sehr hohen Kosten verbunden, da die Beiträge in aktiv gemanagte Fonds investiert werden und die Verwaltungskosten hierfür die Rendite förmlich “aufessen”. Eine gute Alternative: wenn du vor Rentenbeginn noch 10, 15, 20  und mehr Jahre hast, investiere in ETFs. In der Vergangenheit konnten hiermit ca. 6% pro Jahr an Rendite erzielt werden, wenn das Geld mindestens 10 Jahre in einem großen börsennotierten Aktien-Indexfonds investiert wurde (z.B. MSCI World). Informiere dich gut, bevor du ETFs auswählst und stelle ein diversifiziertes Portfolio zusammen (siehe Beispiele unten von Stiftung Warentest).

Gut zu wissen: für Kapitalerträge gibt es einen Steuerfreibertag von jährlich 801€ pro Person. Informiere hierfür deine Bank, damit diese den Freistellungsauftrag einrichtet.

Ein weiterer Vorteil von ETFs: anders als bei privaten Rentenversicherungen ist dein Geld relativ liquide, du kommst besser an es heran. Bei einer privaten Rentenversicherungen besteht eine fixe Vertragsdauer. Kündigst du den Vertrag vor dem Enddatum, verlierst du mit großer Sicherheit Geld. Alternativ kannst du den Vertrag stilllegen. In diesem Fall musst du bis zum Ablaufdatum warten - aber nicht weiter einzahlen. Auch hier ist es möglich, dass Du Geld verlierst.

Die Stiftung Warentest nennt gerne zwei Portfolios für neutrale Investoren/innen: das Pantoffel und das Tiger Portfolio.

Meine Lösung & Zusammenfassung

Ich nutze die mir zur Verfügung stehenden Steuervorteile bzw. Zulagen und investiere zusätzlich in ETFs. Warum? Ich habe mich für ETFs entschieden, weil ich mehr Freiraum habe (bei einer Versicherung habe ich das nicht, die hat fixe Vertragsbedingungen). Außerdem brauche ich beim Investieren mit ETFs als passive Investorin die Marktentwicklungen nicht täglich zu verfolgen und verfüge dennoch über ein diversifiziertes Portfolio. Realistischerweise wirst du dich neben der gesetzlichen Altersvorsorge um weitere Vorsorgemöglichkeiten kümmern müssen, solltest du im Alter auf jeden Cent schauen wollen.

Das ist kein Grund zur Sorge: fange einfach an, dich darum zu kümmern. Eine gute Anlaufstelle, falls du mehr Informationen haben willst ist die Verbraucherzentrale (www.verbraucherzentrale.de) oder ein Honorarberater, welche dir helfen können a) deine Rentenlücke zu berechnen und b) mögliche Produkte dafür auszuwählen.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson). 

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