Aktive Frauen können passive Investorinnen sein

 
Photo by  Luke Bender  on  Unsplash

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Ich bin eine aktive, selbstbewusste Frau - natürlich werde ich eine aktive Investorin sein! Wenn dir gerade solche Gedanken durch den Kopf gegangen sind, hole einmal kurz tief Luft.

Bevor du eine Entscheidung triffst, mache dich erst einmal über Investmentstrategien schlau.

Es könnte durchaus sein, dass das passive Investieren besser zu deinem Lebensstil passt. Lass uns also bei Null beginnen und die Grundlagenbegriffe klären - als erstes die Anlagestrategie. Als ich das erste Mal das Wort Investmentstrategie hörte, hatte ich keine Ahnung, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Meine Herangehensweise war "Geld verdienen". Um dieses Ziel zu erreichen, brauchte ich jedoch eine Investmentstrategie. Das klingt sehr abstrakt, ist es aber nicht. Im Grunde genommen gilt es, eine Reihe von Kriterien für das Investieren zu verstehen, die eigenen Präferenzen zu klären - diese Entscheidungen fließen dann in die Investmentstrategie ein. Anbei der Überblick der Kriterien, mit denen du dich vertraut machen solltest.

  1. Kriterium 1 - Aktives vs. passives Investieren - Zuerst solltest du entscheiden, ob du aktiv oder passiv investieren möchtest. Beim aktiven Investieren besteht die Haupttätigkeit darin, selber Aktien auszuwählen. Basierend auf bestimmten Kriterien bewertest du Aktien und entscheidest, sie zu behalten oder zu verkaufen. Das Ziel besteht darin, höhere Renditen zu erzielen. Die Renditen verdienst du dir im Grunde genommen: du setzt deine eigene Zeit und Brainpower ein, um die Aktien zu bewerten, die “richtigen” Aktien zu kaufen und den “richtigen” Zeitpunkt für den Verkauf abzupassen. Beim passiven Investieren wiederum investierst du weniger Zeit und legst dein Geld beispielsweise in ETFs (Exchange Traded Funds) an, die die Wertentwicklung von großen Indexen (etwa den DAX) abbilden.

  2. Kriterium 2 - Assetallokation - Die Assetallokation bildet deine Anlageentscheidungen ab - welche Aktien, Anleihen und andere Instrumente du auswählst hast und in welcher Gewichtung. Sie basiert auf zwei Prinzipien: Risikoprofil und Diversifizierung.

  3. Kriterum 3: Auswahl einzelner Aktien (“Stockpicking”) - Du wählst deine Aktien nach Grundsätzen wie wertorientiertes Anlegen (Value-Investing), wachstumsorientiertes Anlegen (Growth-Investing), Dividendenstrategie und Buy & Hold aus.

Vertiefen wir das ganze einmal:


Kriterium 1 - Aktives vs. passives Investieren

Bei passivem Investieren erzielst du nur durchschnittliche Rendite, wenn du in ETFs (Exchange Traded Funds) investierst. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn du in ETFs investierst, wählst du einen Indexaus (z.B. S& P500, DAX oder MSCI World). Die Firmen, die durch den Index abgebildet werden, sind durch den Index definiert. Zum Beispiel umfasst der DAX-Index die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Daher investiert ein auf dem DAX basierender ETF in diese 30 größten Unternehmen. Wenn du Einzelaktien aller 30 Unternehmen erwerben möchtest, müsstest du eine recht umfangreiche Investition tätigen. Durch die Anlage in einen ETF beteiligst du dich an einem Fonds, der die Anteile hält. Was bedeutet das? Du hälst einen bestimmten Prozentsatz des Fonds, also einen Prozentsatz dieser Anteile. Warum heißt das passives Investieren? Weil der Index definiert, welche Aktien darin enthalten sind - du also keine Entscheidungen treffen musst und auch nicht permanent die Wertentwicklungen der Aktien überprüfen musst.

Kriterum 2 - Assetallokation / Portfolioallokation

Bei der Investition hängen 90% Deiner Anlageentscheidungen von Deiner Portfolioallokation (oder auch Assetallokation) ab. Die Assetallokation beruht auf zwei Prinzipien:

  1. Risikoprofil: Basierend auf deiner Situation (z.B. Alter, Risikotoleranz, Investitionsbetrag, Anlageziel, Anlagehorizont) kannst du dein Risikoprofil definieren. Das Risikoprofil definiert dann, wie viel % deines Anlagebetrages in Risikolose Anlagen (z.B. Bar, Tagesgeld oder AAA-Anleihen) gehen oder in risikoreiche Anlagen (z.B. Aktien, Rohstoffen, Immobilien).

  2. Diversifikation: Innerhalb deiner Allokation von risikolos oder risikoreich wählst du dann eine Anlageklasse (z.B. Aktien) und deren Schwerpunkt (z.B. Wachstumsmärkte). Eine Assetallokation sollte diversifiziert sein, was bedeutet, dass du nicht nur verschiedene Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe) auswählst, sondern auch innerhalb einer Anlageklasse diversifiziert (z.B. in Aktien verschiedener Regionen, verschiedener Branchen). Aus diesem Grund ist das Investieren mit ETFs so praktisch, weil du einen ETF (z.B. MSCI World) auswählst und in mehrere Länder (z.B. beim MSCI World in 23 Länder) und Unternehmen (z.B. beim MSCI World in über 1.600 Unternehmen) investieren kannst.


Kriterium 3 - die richtige Anlagestrategie für aktives Investieren

Bei Aktienauswahl wählst du deine Aktien basierend auf verschiedenen Prinzipien aus; hier sind einige:

  1. Wertorientiertes Anlegen (Value Investing) - Value Investing bedeutet, Aktien auf Basis ihres Wertes auszuwählen. Der Grundgedanke dabei ist, Aktien zu finden, die derzeit unterbewertet sind in der Hoffnung, dass der Aktienkurs den tatsächlichen Wert des Unternehmens annimmt und man als Investor/in deswegen einen Gewinn erzielt. Warren Buffet, einer der erfolgreichsten Investoren, verfolgt diese Strategie. Um unterbewertete Aktien zu finden, müsstest du dir  verschiedene grundlegende Fakten des jeweiligen Unternehmens zu Gemüte führen, z.B. Gewinn, Einnahmen, Schulden und andere Kennzahlen (z. B. Gewinn pro Aktie usw.). Beim wertorientierten Anlegen geht es darum, immer die gleiche Bewertungsformel anzuwenden, was einfach ist wenn du es verstehst, aber auch aufwendig bzw. zeitintensiv, wenn du ganz neu dabei bist.

  2. Wachstumsorientiertes Anlegen (Growth Investing) - wie der Name schon verrät, wird hier in Aktien von stark wachsenden Unternehmen investiert. Dies sind hauptsächlich Aktien von Unternehmen, von denen erwartet wird, dass sie schneller wachsen als die üblichen Aktien. Dies können zum Beispiel Aktien von Tech Firmen sein. Der Vorteil besteht darin, eine höhere Rendite als der Durchschnitt zu erzielen. Hierbei wird aber auch ein höheres Risiko eingegangen, da diese Aktien eher spekulativ sein können. Diese Strategie ist zeitaufwendig und auch für Anfänger nicht empfehlenswert, da dies die Bewertung verschiedener Aspekte erfordert, die noch nicht (oder wenig) bekannt sind (z.B. Rentabilität).

  3. Dividendenstrategie - Hier werden Aktien gekaut, die eine hohe und regelmäßige Dividendenausschüttung bieten. Dividendenaktien sind oft Aktien von traditionellen / etablierten Firmen. Der Vorteil besteht darin, einen passiven Einkommensstrom durch Dividenden zu generieren und zusätzlich die Dividenden zu reinvestieren, um den Zinseszinseffekt zu nutzen. In jedem Fall sollte ein Unternehmen nicht nur auf der Basis von Dividendenzahlungen gekauft werden, sondern es bedarf auch eine Bewertung der Aktie. Daher braucht es immer noch etwas Zeit, um die richtigen Aktien zu finden.

  4. Buy & Hold - Dies bedeutet hauptsächlich, eine gut bewertete Aktie zu kaufen und diese Aktie zu halten (bsp. für 20-30 Jahre). Dies bedeutet am Anfang einen höheren Aufwand, um passende Aktien zu identifizieren - dann behält man diese einfach.


Alle vier Strategien können mit einzelnen Aktien oder ETFs umgesetzt werden. Solltest du dich für ETFs entscheiden, kannst du über die Website justetf.com nach Wert-, Wachstums- oder Dividendenaktien-ETFs suchen. Beim Buy & Hold Ansatz ist relevant, dass du deine Investitionen langfristig behälst In jedem Fall sind alle vier Strategien mittel- bis langfristig orientiert. Wir bei Finelles bieten keine kurzfristigen Investitionstips an, sondern vermitteln dir das Wissen, um langfristig zu investieren.


Aktives oder passives Investieren - was passt besser zu dir?

Wenn Investieren für dich Neuland ist, empfehlen wir dir, mit passivem Investieren zu beginnen, deine Asset Allocation zu berechnen und dann die einzel (Aktien-) ETFs auszuwählen aus diversen Regionen und Unternehmen (Wert, Wachstum und Dividende) sowie Anlageklassen (Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Immobilien) - abhängig von  der Investitionssumme. Das ist auch schon alles! Der nächste Schritt ist, deine Strategie umzusetzen. Peter Drucker sagte: "Kultur isst Strategie zum Frühstück", beim Investieren sollte dies heissen: "Ausführung isst Strategie zum Frühstück".


Praxistipp: Du kannst dein Risikoprofil und Assetallokation beispielsweise mit dem justef Strategy Builder (https://www.justetf.com/de/etf-strategy-builder.html) berechnen.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson). 

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