Schulden: Immer mehr Frauen sind betroffen

 

Schulden sind kein angenehmes Thema. Über sie Bescheid zu wissen, hilft Dir jedoch im Ernstfall Fehler zu vermeiden. Hier ein paar Hintergrundinformationen: Der Durchschnittsdeutsche hat ca. 30.000€ Schulden. Insgesamt sind 10% der Bevölkerung verschuldet. Oder: 6,9 Millionen der über 18 Jahre alten Deutschen (Schuldneratlas, 2017).  Und der Trend ist steigend: es werden immer mehr Konsum- und Kleinkredite aufgenommen. So sind es aktuell ca. 65.000 Schuldenfälle mehr im Vergleich zum Vorjahr. Der Verschuldungsgrad pro Person ist dabei leicht gesunken.

Du magst jetzt denken, dass Schulden für Dich kein Thema sind.

Es betrifft Dich nicht. Aber in die Schuldenfalle kann man schneller als erwartet stolpern - etwa durch eine gescheiterte Selbständigkeit. Außerdem: eine der Gruppen, die immer mehr Schulden macht, sind die 30 bis 39-Jährigen. Einige unserer Leserinnen sowie Caroline (meine Mitgründerin) fallen mehr oder weniger in diese Altersgruppe!

Weil Schulden ein so wichtiges Thema sind, widmen wir ihm gleich drei Artikel:

  • Teil I - Schulden - Immer mehr Frauen sind betroffen

  • Teil II - Schulden - Warum Dich der Schufa Score interessieren sollte

  • Teil III - Schulden - Weg damit!

Wer genau ist verschuldet?

Zwei Gruppen bauen immer mehr Schulden auf: die 30-39-Jährigen sowie die Gruppe 50 Jahre plus. Bei letzterer sind besonders die über 70-Jährigen betroffen. Alleinerziehende Frauen und alleinlebende Männer sind überproportional häufig von Überschuldung betroffen.  

Verschuldung, Überschuldung und Privatinsolvenz - was sind die Unterschiede?

Eine Verschuldung liegt dann vor, wenn nur kleinere Schuldensummen vorliegen. Hierunter fallen Kreditkartenschulden, Konsumschulden, Ratenkauf, Dispokredit (Kontoüberziehung) oder eine Hypothek. Eine Verschuldung liegt auch dann noch vor, wenn du mehrere Kreditverpflichtungen oder Schulden hast, die nicht durch Dein monatliches Gehalt abgedeckt werden können, aber zumindestens durch vorhandene Vermögensgegenstände (z.B. Hauskredit), d.h. Du kannst durch Deine Vermögensgegenstände Deine Schulden unter Umständen tilgen.

Eine Überschuldung tritt ein, wenn eine Person mindestens drei Monate lang vereinbarten Ratenverträgen nicht nachkommen kann, ohne grundlegende Zahlungen wie Miete, Strom, Nebenkosten und Lebenshaltung zu gefährden. Vermögensgegenstände können in diesem Fall nicht die Schulden decken. Sollten weder Einsparpotentiale noch ein Nebenjob möglich sein, sollte eine Beratungsstelle für Schuldner besucht werden.

Was sind Gründe für Überschuldung?

Laut Statistischem Bundesamt sind die häufigsten Gründe:

  • Arbeitslosigkeit

  • Erkrankung, Sucht, Unfall

  • Trennung, Scheidung, Tod des Partners/der Partnerin

  • Unwirtschaftliche Haushaltsführung

  • Gescheiterte Selbstständigkeit

Eine Überschuldung kann über lange Zeit zu einer Privatinsolvenz führen. Auf diese gehen wir weiter unten im Artikel ein. Unser Tipp: Schulden so schnell wie möglich abzahlen und nicht parallel Vermögen aufbauen.

Wofür werden Schulden verursacht? Was sind typische Schulden?

Laut einer Studie von smava, werden Schulden häufig für Autos, Möbel, Elektronik oder Haushaltsgeräte aufgebaut. Laut einer Studie von der ING-DiBa (2014) bestehen die meisten Schulden aus:

  • 20% Privatkredite

  • 18% Kontoüberziehung

  • 7% Kreditkarten

  • 7% Schulden bei Familie / Freunde

Ist Dir ebenso wie uns aufgefallen, dass die Kosten für Kontoüberziehungen fast so viel ausmachen wie die Kosten für Privatkredite? Kontoüberziehungszinsen fallen in der Regel sehr hoch aus, gefolgt von Krediten und Hypotheken.

Welche Kredite werden für was aufgenommen?

  • Konsumkredite/ Ratenkredite dienen der Erfüllung von Konsumwünschen.

  • Zweckgebundene Kredite, wie Autokredite, sind meist mit einer Sicherheit hinterlegt, welche die Zinskosten senkt. Hier liegt der jährliche Zinssatz bei 4,5%.

    Hypotheken werden meist mit einer Grundschuld versichert und somit werden günstige Finanzierungen für den Immobilienkauf möglich (ca. 2%).

Sehr teure Schulden sind Kontoüberziehungszinsen, gefolgt von Krediten und Hypotheken. Dispokredite/ Kreditkarten mit Teilzahlungen (Revolving-Karten) werden oft in Anspruch aufgenommen, um unerwartete Konsumausgaben zu decken. Bei Kreditkarten werden schnell 15% Zinsen pro Jahr fällig, bei Dispos 12%. Die Stiftung Warentest empfiehlt den Vergleich: bei Kontoüberziehungszinsen beispielsweise variieren die Zinsen zwischen 8-13%.  Das Umschulden lohnt sich ebenfalls (etwa von einem überzogenen Konto zu einem Kredit). Bei einem Dispokredit von 2.000€ und einer monatlichen Tilgung von 50€ mit einer Laufzeit von 45 Monaten fallen laut der FAZ Zinsen in Höhe von 763€ an (bei einem Ratenkredit nur 218€).

Finger weg von Dispokrediten (Konto überziehen) und Kreditkartenschulden!

Kredite und Hypotheken sind “bessere” Schulden.

Exkurs zur Privatinsolvenz

Wer eine Privatinsolvenz in Erwägung zieht, sollte folgende Schritte gehen:

  1. Eine gütliche Einigung mit den Gläubigern erreichen - wenn hier keine Einigung zustande kam, muss dies durch eine Bescheinigung bestätigt werden (z.B. durch einen geeigneten Schuldnerberater, Notar, Anwalt oder Steuerberater). Eine solche Bescheinigung darf nicht länger als sechs Monate zurückliegen.

  2. Antrag beim Amtsgericht stellen

  3. Als Schuldner dem Gericht einen Schuldenbereinigungsplan vorlegen, welcher von mindestens 50% der Gläubiger akzeptiert wurde.

  4. Erst dann erfolgt das Eröffnungsverfahren (oder vorläufiges Verfahren) in welchem das Gericht prüft, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Kriterien für die Entscheidung sind: Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Zusätzlich wird geprüft, ob die Insolvenzmasse ausreicht, um die Kosten des Verfahrens zu decken.Wichtig: Das Verfahren kann abgelehnt werden, wenn z.B. die Insolvenzmasse nicht die Verfahrenskosten decken kann; hier droht eine Anklage wegen Insolvenzverschleppung.

  5. Bei Verfahrenseröffnung erfolgt die Ernennung eines Insolvenzverwalters. Der Insolvenzverwalter verteilt die Insolvenzmasse an die Schuldner inklusive der Verpfändungen von Wert- und Vermögensgegenständen. Wenn ein Insolvenzplan vorgelegt wird, kann das Verfahren verkürzt werden. Vorausgesetzt ist dann allerdings die Zahlung durch eine dritte Partei (da die Insolvenzmasse dies nicht abdecken kann).

  6. An Abschluß des Verfahrens knüpft die Wohlverhaltensphase an und dauert zwischen 3 und 5 Jahren. In dieser Zeit muss der Schuldner die Gerichtskosten plus die Kosten für den Insolvenzverwalter übernehmen. Nebenbemerkung: Bei einer außergerichtlichen Einigung kann das anders sein, hier darf man auf einen (kostenfreien) Schuldnerberater zurückgreifen. Die Dauer der Wohlverhaltensphase bemisst sich wie folgt: Wenn 35 % der Schulden und die Verfahrenskosten bereits getilgt wurden, ist sie nach 3 Jahren beendet. Wenn alternativ von 5 Jahren zumindest die Verfahrenskosten beglichen wurden, ist sie beendet

  7. Mit Durchlaufen der Wohlverhaltensphase kann einer Restschuldbefreiung (ausgenommen sind Schulden aus Steuerhinterziehung, Geldstrafen oder Unterhaltszahlungen) stattgegeben werden. Hierfür muss ein entsprechender Antrag eingereicht werden.  In dieser Phase muss der Schuldner einigen Pflichten nachkommen:

  • Bei Arbeitslosigkeit hat man sich um eine Arbeit zu bemühen und

  • das Einkommen, welches über den pfändungssicheren Betrag hinausgeht, an den Insolvenzverwalter abzugeben.

  • Ein Erbe ist um 50% abzutreten

  • Bei Job- oder Wohnungswechsel ist der Insolvenzverwalter mit einzubeziehen.

Im nächsten Teil “Schulden: Schufa Score”, ergründen wir wie sich Schulden aber auch sonstige Daten auf deine Bonität und deinen Schufa Score auswirken.


Autorin: Clara Creitz
Gründerin von Finelles. Coach und Beraterin (PwC, UBS, Towers Watson).  

 

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